Geschichte
Die Diakonie Münster besteht nunmehr fünfundsechzig Jahre und hat sich während dieser Zeit immer wieder verändert und der Diakonie immer wieder ein anderes Format gegeben.
Ein Beispiel dafür ist der mehrfache Namenswechsel unseres Werkes: Direkt nach dem Krieg 1945 wurde es vom damaligen langjährigen Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Münster und dem späteren Superintendenten Georg Gründler gegründet als Evangelisches Hilfswerk unter dem Motto „Flüchtlinge helfen Flüchtlingen”. Die Bedeutung der Diakonie ergab sich aus der Not der Bevölkerung in den Städten und auf dem Lande, die hohe Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen in einer Zeit, in der sich auch die Evangelische Kirche im damaligen Großkirchenkreis des Münsterlandes neu organisieren und aufbauen musste.
Gegründet als "Ev. Hilfswerk Münster" wurde es Mitte der 50er Jahre zum "Synodalverein für Innere Mission im Kirchenkreis Münster" und ca. zehn Jahre später erhielt der Verein den Namen "Innere Mission des Kirchenkreises Münster", der wiederum 1994 abgelöst wurde durch "Diakonisches Werk Münster". Seit Juni 2011 firmiert das Werk unter dem neuen Namen "Diakonie Münster".
Waren es zum Gründungszeitpunkt die Flüchtlinge und Vertriebenen, deren Fürsorge unser Hauptaugenmerk galt, so waren es im Verlauf der weiteren Entwicklung der Diakonie Münster die alten Menschen in unseren Kirchengemeinden, deren Fürsorge ein wichtiger Teil unserer Arbeit wurde; gleichzeitig aber auch die Menschen, die sich zunehmend mit psychischen und sozialen Problemen an uns gewandt haben und Beratung und Unterstützung suchten. Eine Diakonie also für die pflegebedürftigen älteren Menschen und die Rat- und Hilfesuchenden in unseren Kirchengemeinden.
Ein weiterer Schwerpunkt wurde in den 60er und 70er Jahren durch die Hilfsangebote für Kinder, junge Menschen und Familien entwickelt. Daran erinnern uns die Kinder- und Jugendhäuser, die Familien- und Erziehungsberatungsdienste sowie die verschiedenen Formen der offenen Jugendarbeit.
Aber nicht nur der dreimalige Namenswechsel bedeutet zugleich einen Wandel im Selbstverständnis der diakonischen Arbeit unseres Vereins und die immer größere Zahl der Menschen, denen wir mit unseren Hilfe- und Beratungsangeboten helfen konnten, sondern auch die mehrfach geänderte Struktur.
Die Diakonie Münster ist in ihrer Rechtsform immer ein Verein geblieben. Doch seine Leitungs- und Führungsstrukturen wurden weiter entwickelt und auch seine Aufbauorganisation hat einen Fortschritt erfahren gegenüber den Zeiten als Superintendent Georg Gründler, die Sozialarbeiterin Hermine Braun und Pfarrer Adler ehrenamtlich den Verein als Vorstand geführt haben. Als erster hauptamtlicher Geschäftsführer wurde Assessor Fritz Murach 1963 mit der Leitung des Vereins beauftragt.
Hat diese Entwicklung nicht auch die Bedeutung der diakonischen Arbeit verändert? Meine Antwort dazu lautet: Ja und zwar in einem sehr starken Maße.
Begriffe wie Professionalisierung, wie Ökonomisierung, wie Management, Unternehmensführung, Qualitätsmanagement, Leistungsangebot oder Kunden machen deutlich, dass die Diakonie Münster sich den verschiedenen Entwicklungen und Veränderungen der Rahmenbedingungen hat anpassen müssen.
So ist die Diakonie Münster heute nicht nur eine direkte persönliche, z. T. ehrenamtlich getragene und angebotene Hilfe für hilfsbedürftige Personen. Diakonie in der Form der Diakonie Münster drückt aus: Es ist ein modernes diakonisches Unternehmen, welches sich auf dem Sozialmarkt behaupten muss, welches den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Ökonomie unterliegt, welches im Sinne des betriebswirtschaftlichen Denkens ökonomisch erfolgreich geführt werden muss, welches zugleich Arbeitgeber für über 850 Mitarbeitende ist, welches für diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch eine besondere Fürsorgepflicht und Verantwortung hat, welches viele Auftraggeber hat, die seine Leistungen in Anspruch nehmen vergleichbar mit Kunden und Klienten, die ganz bestimmte Dienstleistungen von ihm abfordern.
Auch im Sinne der Evangelischen Kirchengemeinden und des Evangelischen Kirchenkreises Münster muss es seinen diakonischen Auftrag erfüllen; nicht zu vergessen die Kommunen, das Land und staatliche Institutionen als Auftraggeber, für die es Leistungen erbringt.
Als vor einigen Jahren der Vorstand und die leitenden Mitarbeitenden an der Konzeption des Diakonischen Werkes Münster gearbeitet haben, da wurde uns allen deutlich, wie wichtig und tragend die diakonische Bedeutung unserer Arbeit ist und wir haben es in unserem Selbstverständnis zum Ausdruck gebracht:
„Das Diakonische Werk Münster bezieht sein Arbeitsverständnis aus dem diakonischen Auftrag der tätigen Nächstenliebe, besonders an den geringsten Brüdern und Schwestern '(Matthäus 25). Diesen Auftrag begreift es als Lebens- und Wesensäußerung der Evangelischen Kirche. Das ist eines der wichtigsten Mittel, Kirche sichtbar und erfahrbar zu machen.”
Wenn Sie unsere Unternehmenskonzeption lesen, werden Sie feststellen, dass unsere dort erarbeiteten Leitlinien gerade heute in einer Zeit des großen Wandels und vieler Umbrüche eine herausragende Bedeutung haben. Mir geben diese Leitsätze immer wieder Orientierung für die zukünftige Entwicklung unseres Werkes.
Hans-Joachim Hamer
Vorstandsvorsitzender